Schädlinge··10 Min. Lesezeit

Schädlinge an Zimmerpflanzen: früh erkennen und richtig behandeln

Wenn du einen Schädling an einer Zimmerpflanze innerhalb der ersten ein bis zwei Wochen entdeckst, kannst du ihn oft schon mit Pflanzenseife und einer gründlichen Dusche loswerden. Bleibt er dagegen einen Monat lang unbemerkt und kann sich vermehren, stehen dir schnell sechs Wochen mit wiederholten Behandlungen bevor. Der Unterschied liegt meist darin, ob jemand regelmäßig nachgesehen hat.

Schädlinge gehören bei Zimmerpflanzen gelegentlich dazu. Sie kommen mit neu gekauften Pflanzen ins Haus oder gelangen durch offene Fenster hinein. Früher oder später hat fast jeder Pflanzenbesitzer damit zu tun. Hier erfährst du, wie du sie frühzeitig erkennst und vollständig bekämpfst, statt nur einmal zu behandeln und zu hoffen, dass das Problem damit erledigt ist.

Die Gewohnheit, die die meisten Schädlingsbefälle verhindert

Dreh einmal pro Woche beim Kontrollieren der Bodenfeuchtigkeit einige Blätter um. Zehn Sekunden pro Pflanze reichen dafür aus.

Achte besonders auf:

Gutes Licht macht einen großen Unterschied. Einige dieser Schädlinge sind nur etwa einen Millimeter groß. Wenn du mit der Taschenlampe deines Smartphones schräg über die Blattoberfläche leuchtest, werden sowohl die Insekten als auch feine Gespinste deutlich leichter sichtbar.

Neue Pflanzen in Quarantäne stellen

Die meisten Schädlingsbefälle kommen mit einer neuen Pflanze ins Haus. Stell neue Pflanzen deshalb zwei bis drei Wochen getrennt von deiner restlichen Sammlung auf und kontrolliere sie während dieser Zeit regelmäßig. Das ist lang genug, damit bereits beim Kauf vorhandene Eier schlüpfen und ein Befall sichtbar wird. Es ist etwas lästig, verhindert aber einen Großteil der größeren Ausbrüche. Das gilt auch für geschenkte Pflanzen und Stecklinge von Freunden.

Die häufigsten Schädlinge und wie du sie unterscheidest

Wenn dir vor allem die Bestimmung Schwierigkeiten bereitet, findest du in unserem ausführlichen Vergleich zu Spinnmilben, Wollläusen und Trauermücken weitere Merkmale, anhand derer du die drei häufigsten Schädlinge und ähnliche Schadbilder unterscheiden kannst.

Spinnmilben

Was du siehst: Feine helle Sprenkel auf der Blattoberseite, als wäre das Blatt mit winzigen hellen Punkten übersät. Mit der Zeit wirkt das Blatt matt und bronzefarben. Feine Gespinste zwischen Blattachseln und entlang der Stängel treten meist erst bei einem fortgeschrittenen Befall auf. Genau dann bemerken viele das Problem zum ersten Mal. Zu diesem Zeitpunkt ist die Population bereits groß.

Wo du sie findest: Auf den Blattunterseiten. Spinnmilben sehen wie winzige, kaum sichtbare rote, braune oder helle Punkte aus. Klopfe ein Blatt über einem weißen Blatt Papier ab und achte auf kleine Punkte, die sich bewegen.

Bevorzugte Bedingungen: Warme, trockene Luft und staubige Blätter. In beheizten Räumen vermehren sich Spinnmilben im Winter besonders schnell.

Behandlung: Stell die Pflanze in die Dusche oder ins Waschbecken und spüle sie gründlich ab, einschließlich der Blattunterseiten. Dadurch entfernst du bereits einen großen Teil der Population, bevor du überhaupt ein Mittel verwendest. Behandle die Pflanze anschließend mit Pflanzenseife oder Neemöl und benetze dabei besonders die Blattunterseiten. Wiederhole die Behandlung mindestens dreimal im Abstand von fünf bis sieben Tagen. Kontaktmittel erfassen die Eier nicht, sodass nach der Behandlung neue Milben schlüpfen können. Erhöhe außerdem die Luftfeuchtigkeit und wische die Blätter regelmäßig ab. Spinnmilben fühlen sich unter feuchten, sauberen Bedingungen deutlich weniger wohl.

Trauermücken

Was du siehst: Kleine dunkle Fliegen, die um die Töpfe herumfliegen und dir gelegentlich vors Gesicht kommen. Die erwachsenen Tiere richten keinen Schaden an. Ihre Larven leben in den obersten Zentimetern der Erde und ernähren sich hauptsächlich von zersetzendem organischem Material. Bei starkem Befall können sie jedoch feine Wurzeln schädigen, insbesondere bei Sämlingen und Stecklingen.

Was sie dir verraten: Die Erdoberfläche trocknet nicht ausreichend ab. Trauermücken sind deshalb nicht nur ein Schädlingsproblem, sondern auch ein Hinweis auf zu häufiges Gießen.

Behandlung: Lass die obersten 3 bis 5 cm der Erde zwischen den Wassergaben trocknen. Dadurch bricht ein Großteil der Population innerhalb von etwa zwei Wochen zusammen. Gelbtafeln fangen erwachsene Tiere und zeigen dir gleichzeitig, ob ihre Zahl zurückgeht. Bei hartnäckigem Befall kannst du ein BTI-Präparat mit Bacillus thuringiensis israelensis verwenden, das gezielt gegen die Larven wirkt und der Pflanze nicht schadet. Eine etwa 1 cm dicke Schicht aus grobem Sand oder feinem Kies erschwert den erwachsenen Tieren den Zugang zur Erde zur Eiablage. Gießen von unten hilft ebenfalls, die Oberfläche trocken zu halten.

Wollläuse

Was du siehst: Kleine weiße, watteartige Gebilde, die wie Fussel aussehen und sich in Blattachseln, entlang der Stängel und manchmal sogar an den Wurzeln befinden. Wollläuse bewegen sich so langsam, dass sie leicht mit Schimmel oder Ablagerungen verwechselt werden. In ihrer Nähe findet sich häufig klebriger Honigtau, auf dem sich manchmal schwarzer Rußtau bildet.

Behandlung: Tupfe jede sichtbare Wolllaus mit einem in Isopropylalkohol getränkten Wattestäbchen ab. Der Alkohol löst ihre schützende Wachsschicht und tötet sie bei direktem Kontakt. Bei stärkerem Befall kannst du die gesamte Pflanze mit Pflanzenseife oder verdünntem Alkohol behandeln und die Anwendung wöchentlich wiederholen. Wollläuse verstecken sich in Blattscheiden und teilweise auch im Substrat rund um die Wurzeln. Behandle deshalb noch mehrere Wochen weiter, nachdem der Befall scheinbar verschwunden ist. Bei einer Pflanze, bei der die Wollläuse immer wieder zurückkehren, solltest du auch den Wurzelballen kontrollieren.

Schildläuse

Was du siehst: Kleine braune, beige oder schwarze Erhebungen an Stängeln und Blattmittelrippen, die eher wie ein Teil der Pflanze als wie Insekten aussehen. Erwachsene Schildläuse bewegen sich nicht mehr, da sie dauerhaft unter ihrem schützenden Schild sitzen. Klebriger Honigtau auf den darunterliegenden Blättern oder sogar auf dem Boden unter der Pflanze ist häufig das erste sichtbare Anzeichen.

Behandlung: Der Schutzschild hält viele Spritzmittel ab. Entferne die Schildläuse deshalb zunächst mit dem Fingernagel, einer alten Zahnbürste oder einem mit Alkohol befeuchteten Tuch. Behandle die Pflanze anschließend mit Gartenbauöl oder Pflanzenseife und wiederhole die Anwendung alle ein bis zwei Wochen. Die beweglichen Jungtiere besitzen noch keinen Schutzschild und lassen sich deshalb mit Kontaktmitteln bekämpfen. Wiederholte Behandlungen unterbrechen so den Lebenszyklus. Einen stark befallenen Zweig solltest du lieber vollständig entfernen.

Blattläuse

Was du siehst: Gruppen kleiner, weichhäutiger Insekten auf jungen Trieben, Blütenknospen und weichen Stängeln. Sie sind häufig grün, können aber auch schwarz, rosa oder weiß sein und sind mit bloßem Auge gut zu erkennen. Weitere Hinweise sind klebriger Honigtau, verformte junge Blätter und abgestreifte weiße Häutungsreste.

Behandlung: Blattläuse gehören zu den leichter zu bekämpfenden Schädlingen. Ein kräftiger Wasserstrahl im Waschbecken entfernt bereits einen Großteil der Tiere. Die übrigen kannst du mit Pflanzenseife behandeln. Da sich Blattläuse schnell vermehren, solltest du die Pflanze zwei Wochen lang alle paar Tage kontrollieren und die Behandlung bei Bedarf wiederholen. Besonders häufig kommen Blattläuse mit Pflanzen ins Haus, die den Sommer im Freien verbracht haben.

Thripse

Was du siehst: Dieser Schädling bleibt oft monatelang unerkannt. Typisch sind silbrige oder bronzefarbene Stellen, an denen das Pflanzengewebe aufgeraspelt und ausgesaugt wurde, winzige schwarze Kotpunkte sowie verformter und vernarbter Neuaustrieb, der sich nicht richtig entfaltet. Thripse sind schlank, etwa ein bis zwei Millimeter lang und bewegen sich schnell, wenn sie gestört werden.

Warum sie schwer zu bekämpfen sind: Thripse verpuppen sich im Substrat. Wenn du nur die Blätter behandelst, bleibt dort eine Population zurück, die etwa eine Woche später wieder auftaucht. Außerdem wechseln Thripse leicht von einer Pflanze zur nächsten.

Behandlung: Behandle über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Isoliere die Pflanze, entferne besonders stark geschädigte Pflanzenteile und behandle sowohl das Laub als auch die Erdoberfläche mit Pflanzenseife oder Neemöl, da sich dort die Puppen befinden können. Blautafeln fangen erwachsene Thripse und zeigen dir, ob die Population zurückgeht. Wiederhole die Behandlung vier bis sechs Wochen lang alle fünf bis sieben Tage. Von allen hier genannten Schädlingen kehren Thripse besonders häufig zurück, wenn die Behandlung zu früh beendet wird.

Weiße Fliegen

Was du siehst: Winzige weiße, mottenähnliche Insekten, die beim Berühren der Pflanze in einer kleinen Wolke auffliegen und sich anschließend wieder auf den Blattunterseiten niederlassen. Die Nymphen sehen dort wie flache, helle Schuppen aus. Später treten Honigtau und vergilbende Blätter auf.

Behandlung: Gelbtafeln funktionieren hier besonders gut, da die erwachsenen Tiere stark von Gelb angezogen werden. Kombiniere sie mit einer wöchentlichen Behandlung der Blattunterseiten mit Pflanzenseife. Auch das vorsichtige Absaugen der erwachsenen Tiere mit einem Staubsauger kann überraschend wirksam sein.

Warum eine einzige Behandlung fast nie ausreicht

Hier liegt der Grund für die meisten erfolglosen Schädlingsbehandlungen.

Kontaktmittel wie Pflanzenseife, Neemöl und Alkohol töten nur die Schädlinge, mit denen sie tatsächlich in Berührung kommen. Eier werden häufig nicht erfasst. Auch versteckte Tiere im Substrat, in Blattscheiden oder in den engen Bereichen des Wachstumspunkts bleiben verschont. Je nach Temperatur benötigen die meisten dieser Schädlinge nur ein bis drei Wochen vom Ei bis zum fortpflanzungsfähigen erwachsenen Tier.

Eine gründliche Behandlung beseitigt also zunächst die sichtbare Population. Eine Woche lang sieht die Pflanze sauber aus, dann schlüpfen die Eier und der Befall scheint zurückzukehren. Die Behandlung hat funktioniert. Sie muss nur lange genug wiederholt werden, um den gesamten Lebenszyklus zu unterbrechen.

Die Regel: Behandle alle fünf bis sieben Tage und fahre damit noch zwei bis drei Wochen fort, nachdem du den letzten lebenden Schädling gesehen hast. Bei Thripsen und Spinnmilben solltest du die Behandlung noch länger fortsetzen.

Das brauchst du zur Schädlingsbekämpfung

Teste jedes Spritzmittel zunächst an ein oder zwei Blättern und warte 24 Stunden, bevor du die gesamte Pflanze behandelst. Das gilt besonders für Neemöl und empfindliche, dünnblättrige Pflanzen wie Calatheas und Farne.

Was du nicht tun solltest

Alte Schäden oder noch aktiver Befall?

Schädlingsschäden bleiben sichtbar, auch nachdem die Schädlinge verschwunden sind. Helle Sprenkel, silbrige Stellen und vernarbter Neuaustrieb bleiben lange nach einer erfolgreichen Behandlung am Blatt. Dadurch lässt sich manchmal nur schwer erkennen, ob der Befall noch aktiv ist oder du lediglich alte Schäden siehst.

Beobachte deshalb vor allem den Neuaustrieb. Wachsen neue Blätter sauber und unverformt nach, war die Behandlung erfolgreich, unabhängig davon, wie die älteren Blätter aussehen.

Frühe Schäden durch Spinnmilben können bei normaler Zimmerbeleuchtung außerdem einem Nährstoffmangel ähneln. Schäden durch Thripse lassen sich leicht mit mechanischen Verletzungen verwechseln. Wenn du nicht sicher bist, was du vor dir hast, kann eine Fotodiagnose in Gardenix den konkreten Schädling bestimmen, statt lediglich festzustellen, dass etwas mit der Pflanze nicht stimmt. Du erhältst dazu einen passenden Behandlungsplan und einen Gesundheitswert. Die App speichert außerdem den Verlauf deiner Scans. Wenn du dieselbe Pflanze während der Behandlung alle paar Wochen erneut scannst, kannst du anhand der Entwicklung des Gesundheitswerts sehen, ob sie sich tatsächlich erholt. Das ist zuverlässiger, als sich daran erinnern zu müssen, wie schlecht die Blätter vor zwei Wochen aussahen.

Vorbeugung

Gesunde Pflanzen kommen mit Schädlingen besser zurecht als bereits geschwächte. Ausreichend Licht, richtiges Gießen, Düngen während der Wachstumsphase und saubere Blätter leisten langfristig mehr zur Vorbeugung als jedes Spritzmittel.

Wisch gelegentlich Staub von den Blättern. Staubige Blätter begünstigen Spinnmilben und erschweren es, einen frühen Befall zu erkennen. Stell neue Pflanzen zunächst in Quarantäne und dreh einmal pro Woche einige Blätter um.

Die Gardenix App auf dem Scan-Bildschirm, mit einem Blatt im Kamerarahmen.
Scannen in Gardenix: Halten Sie die Kamera auf die Stelle, die auffällig aussieht.

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