Die meisten Gartentipps setzen voraus, dass Sie wissen, mit welchem Boden Sie es zu tun haben. Auf Pflanzenetiketten steht „gut durchlässiger Boden“ oder „liebt sauren Boden“, als könnte jeder einen Blick ins Beet werfen und sofort erkennen, was dort eigentlich liegt.
Dabei lässt sich das an einem Nachmittag herausfinden. Sie brauchen nur ein Einmachglas und ein paar Dinge aus der Küche. Das Ergebnis hilft Ihnen anschließend jahrelang bei der Frage, was Sie pflanzen und womit Sie den Boden verbessern sollten.
Zwei Eigenschaften sind besonders wichtig: die Bodenart, also das Verhältnis von Sand, Schluff und Ton, und der pH-Wert, der angibt, wie sauer oder alkalisch der Boden ist. Die Bodenart bestimmt, wie sich Wasser und Luft bewegen. Der pH-Wert entscheidet darüber, welche Nährstoffe Pflanzen überhaupt aufnehmen können.
Beides können Sie zu Hause testen.
Der Glastest: Woraus besteht Ihr Boden?
Die Bodenart ergibt sich aus dem Verhältnis von drei unterschiedlich großen Bodenpartikeln.
Sand hat die größten Teilchen, lässt Wasser schnell ablaufen und speichert nur wenig davon. Ton besteht aus sehr feinen Partikeln, hält Wasser und Nährstoffe gut fest, lässt überschüssige Feuchtigkeit aber nur langsam abfließen. Schluff liegt dazwischen.
Das Verhältnis dieser drei Bestandteile bestimmt fast alles, was Sie von einem Beet erwarten können.
Mit dem Glastest trennen Sie die einzelnen Bestandteile nach Gewicht. Kosten verursacht das praktisch keine.
Was Sie brauchen
Ein gerades Glas mit Schraubdeckel, am besten hoch und schmal. Eine kleine Schaufel. Wasser. Einen Tropfen Spülmittel. Ein Lineal.
So geht es
- Nehmen Sie eine repräsentative Probe. Graben Sie an vier oder fünf Stellen im Beet etwa 15 bis 20 cm tief, nehmen Sie jeweils etwas Erde und mischen Sie alles zusammen. Eine einzige Stelle sagt Ihnen nur etwas über genau diese Stelle.
- Reinigen Sie die Probe. Entfernen Sie Steine, Wurzeln, Würmer und alles, was noch nicht zersetzt ist. Zerdrücken Sie Erdklumpen mit den Fingern.
- Füllen Sie das Glas etwa zu einem Drittel mit Erde und anschließend bis ungefähr drei Viertel mit Wasser. Oben sollte etwas Luft bleiben.
- Geben Sie einen Tropfen Spülmittel hinzu. Dadurch kleben die feinen Tonpartikel weniger stark zusammen und die einzelnen Schichten lassen sich später besser erkennen.
- Schütteln Sie das Glas etwa zwei Minuten kräftig. Länger, als es Ihnen nötig vorkommt. Alle Klumpen müssen sich lösen.
- Stellen Sie das Glas auf eine ebene Fläche und lassen Sie es stehen. Danach nicht mehr bewegen.
Die Schichten ablesen
Die Partikel setzen sich nach Gewicht ab. Die größten und schwersten sinken zuerst.
- Nach einer Minute: Markieren Sie die Oberkante der untersten Schicht. Das ist Sand.
- Nach zwei Stunden: Setzen Sie die nächste Markierung. Die Schicht über dem Sand ist Schluff.
- Nach zwei Tagen: Markieren Sie den endgültigen Stand. Die oberste Sedimentschicht ist Ton. Organisches Material kann oben schwimmen oder an der Oberfläche liegen und wird nicht mitgerechnet.
Messen Sie die Höhe jeder Schicht sowie die Gesamthöhe der Ablagerung und rechnen Sie die einzelnen Schichten in Prozent um.
Dann wissen Sie ziemlich genau, womit Sie arbeiten.
Sandiger Boden: ungefähr 70 % Sand oder mehr. Wasser läuft schnell durch, Nährstoffe werden leicht ausgewaschen, das Beet trocknet früher aus als umliegende Flächen und erwärmt sich im Frühjahr schnell.
Tonboden: ungefähr 40 % Ton oder mehr. Hält Wasser und Nährstoffe sehr gut, entwässert langsam, wird bei Trockenheit hart und bei Nässe klebrig. Im Frühjahr erwärmt er sich spät.
Schluffiger Boden: hoher Anteil der mittleren Schicht. Speichert Feuchtigkeit gut, fühlt sich glatt und fein an, verdichtet sich aber leicht.
Lehmboden: ungefähr 40 % Sand, 40 % Schluff und 20 % Ton. Speichert Wasser, ohne dauerhaft nass zu bleiben, und lässt überschüssige Feuchtigkeit trotzdem abfließen. An diesem Bodentyp werden die anderen oft gemessen.
Sandiger Lehmboden: Lehmboden mit höherem Sandanteil. Entwässert gut, erwärmt sich früh, lässt sich leicht bearbeiten und braucht häufiger Wasser und Nährstoffe. Er eignet sich gut für Wurzelgemüse, Kräuter, mediterrane Pflanzen und Arten, die keine nassen Wurzeln vertragen.
Der schnelle Test ohne Glas
Nehmen Sie eine Handvoll leicht feuchte Erde und drücken Sie sie zusammen.
Fällt sie auseinander, sobald Sie die Hand öffnen, ist sie eher sandig.
Bleibt sie in Faustform, lässt sich zu einer Rolle formen und zu einem Ring biegen, ohne zu reißen, ist sie tonreich.
Hält sie zusammen, zerbröselt aber bei leichtem Druck, haben Sie wahrscheinlich Lehmboden und damit eine gute Ausgangslage.
Dieser Test zeigt Ihnen in zehn Sekunden die Richtung. Der Glastest liefert zusätzlich die ungefähren Anteile.
pH-Wert zu Hause testen
Die pH-Skala reicht von 0 bis 14. 7 ist neutral. Werte unter 7 sind sauer, Werte über 7 alkalisch.
Die meisten Gartenpflanzen fühlen sich bei einem pH-Wert zwischen etwa 6,0 und 7,0 wohl, weil in diesem Bereich besonders viele Nährstoffe verfügbar bleiben.
Der pH-Wert ist nicht deshalb wichtig, weil Pflanzen „eine Zahl nicht mögen“. Er beeinflusst die Verfügbarkeit der Nährstoffe.
In alkalischem Boden werden zum Beispiel Eisen und Mangan chemisch so gebunden, dass die Wurzeln sie kaum aufnehmen können. Eine Pflanze kann dadurch Mangelerscheinungen zeigen, obwohl im Boden eigentlich genug davon vorhanden ist.
Zusätzliches Düngen löst dieses Problem nicht. Entscheidend sind die Bedingungen, unter denen die Pflanze die Nährstoffe aufnehmen kann. Wann Düngen tatsächlich hilft und wann es die Lage verschlechtert, lesen Sie im Artikel darüber, wie Sie Pflanzen richtig düngen.
Der Küchenschrank-Test
Dieser Test liefert keinen exakten pH-Wert, zeigt Ihnen aber, ob der Boden eher sauer oder alkalisch ist. Für viele Entscheidungen reicht das völlig aus.
Nehmen Sie zwei kleine Bodenproben.
Auf die erste geben Sie etwas Essig.
Zur zweiten geben Sie etwas Wasser, bis eine Paste entsteht, und anschließend einen Löffel Natron.
- Der Essig beginnt zu schäumen oder zu zischen: Der Boden ist alkalisch. Die Säure im Essig reagiert mit Kalk im Boden.
- Das Natron reagiert: Der Boden ist sauer. Das alkalische Natron reagiert mit der Säure im Boden.
- Keine der beiden Proben reagiert: Der Boden liegt wahrscheinlich ungefähr im neutralen Bereich.
Die Reaktion kann sehr schwach ausfallen. Erwarten Sie keinen Schaumberg, sondern achten Sie auf kleine Bläschen.
Testen Sie am besten zwei oder drei Stellen im Garten. Der pH-Wert kann sich selbst auf kleinen Flächen unterscheiden. In der Nähe alter Mauern, Wege oder Stellen mit Bauschutt und Mörtel ist der Boden oft alkalischer.
Wann sich ein genauer Test lohnt
Wenn der Küchentest auf deutlich sauren oder deutlich alkalischen Boden hindeutet und Sie den pH-Wert verändern wollen, sollten Sie genauer messen.
Den Boden ohne Messwert zu verändern kann Material verschwenden oder dazu führen, dass Sie zu weit in die Gegenrichtung gehen.
Papier-Teststreifen sind günstig und geben den pH-Wert meist mit einer Genauigkeit von etwa einem halben Punkt an. Für normale Gartenentscheidungen reicht das.
Elektronische Messgeräte sind bequem, günstige Modelle können aber ungenau werden und reagieren teilweise stark auf die aktuelle Bodenfeuchte. Betrachten Sie solche Werte deshalb eher als Orientierung.
Bei einem neuen Grundstück oder bevor Sie eine Hecke oder Obstbäume pflanzen, die dort Jahrzehnte stehen sollen, lohnt sich eine professionelle Bodenanalyse. Sie zeigt neben dem pH-Wert oft auch Nährstoffgehalte und den Anteil organischer Substanz.
Was das Ergebnis für Ihre Pflanzenauswahl bedeutet
Saurer Boden, ungefähr unter pH 6,0. Rhododendren, Azaleen, Kamelien, Heidelbeeren, Heidepflanzen und viele Nadelgehölze fühlen sich hier wohl. Kohlgewächse tun sich schwerer, und Kohlhernie kann häufiger auftreten. Viele Gemüsearten bleiben unter ihrem möglichen Wachstum.
Neutraler bis leicht saurer Boden, pH 6,0 bis 7,0. Hier haben Sie die größte Auswahl. Die meisten Gemüsearten, Obstpflanzen, Zierpflanzen und Rasengräser kommen damit gut zurecht.
Alkalischer Boden, ungefähr über pH 7,5. Lavendel, Rosmarin, Thymian, Clematis, Flieder und viele mediterrane Pflanzen wachsen hier gut. Säureliebende Pflanzen dagegen nicht, und mehr Dünger ändert daran nichts.
Ein typisches Zeichen für Eisenmangel auf kalkhaltigem Boden sind gelbe Blätter, bei denen die Blattadern grün bleiben. Die übrigen Ursachen für gelbe Blätter und wie Sie sie auseinanderhalten, behandeln wir im Artikel darüber, warum Blätter gelb werden.
Die praktische Konsequenz ist einfach: Es ist wesentlich leichter, Pflanzen passend zum vorhandenen Boden auszuwählen, als den gesamten Boden an die Wunschpflanzen anzupassen.
Den pH-Wert eines ganzen Beetes um einen vollen Punkt zu verändern, kann Jahre dauern.
Einfache Maßnahmen für problematische Böden
Für jeden Bodentyp
Organische Substanz ist eine der wenigen Maßnahmen, die fast jedem Boden hilft.
Kompost, gut verrotteter Mist oder Laubhumus.
In sandigem Boden helfen sie dabei, Wasser und Nährstoffe zu speichern, die sonst schnell ausgewaschen würden.
In Tonboden lockern sie die Struktur und schaffen mehr Raum für Luft und Wasser.
Verteilen Sie im Herbst etwa 5 bis 8 cm auf der Oberfläche und lassen Sie Regenwürmer den Rest erledigen. Alternativ können Sie das Material leicht mit einer Grabegabel in die obere Bodenschicht einarbeiten.
In vernünftigem Maß kann man damit kaum zu viel machen. Für die meisten Beete ist organische Substanz langfristig die wirksamste Verbesserung.
Für Tonboden
Wieder organische Substanz, regelmäßig und über Jahre.
Grober Splitt oder scharfer, grober Sand können die Drainage verbessern, aber nur in größeren Mengen. Eine kleine Menge feinen Sands in Tonboden einzumischen kann eine Mischung erzeugen, die fast wie Beton reagiert.
Wenn Sie Sand verwenden, sollte er grob sein und in ausreichender Menge eingebracht werden. Ansonsten ist Kompost meist die bessere Lösung.
Bearbeiten Sie Tonboden nicht, wenn er nass ist. Unter Schuhen und Spaten verdichtet er sich sehr schnell, und die Struktur kann eine ganze Saison brauchen, um sich wieder zu erholen.
Bei sehr schwerem Tonboden sind Hochbeete oft die schnellere Lösung.
Für sandigen Boden
Auch hier hilft organische Substanz, nur häufiger, weil sie sich in gut belüftetem Boden schneller zersetzt.
Mulchen Sie die Oberfläche, um die Verdunstung zu verringern.
Düngen Sie lieber in kleineren Mengen und öfter, weil Nährstoffe in sandigem Boden schnell ausgewaschen werden.
pH-Wert erhöhen und den Boden weniger sauer machen
Verwenden Sie Gartenkalk, am besten im Herbst oder Winter, damit er genügend Zeit zum Wirken hat.
Halten Sie sich bei der Dosierung an die Angaben für Ihren Bodentyp. Tonboden braucht deutlich mehr Kalk als Sandboden, um denselben pH-Anstieg zu erreichen.
Kalk und Mist sollten nicht gleichzeitig ausgebracht werden. Durch die Kombination kann Stickstoff als Ammoniak verloren gehen.
pH-Wert senken und den Boden saurer machen
Das ist schwieriger und dauert länger.
Üblicherweise wird elementarer Schwefel eingesetzt. Bodenbakterien wandeln ihn über mehrere Monate um und senken dabei den pH-Wert.
Kompostierte Kiefernnadeln und Rhododendronerde können den Boden sanfter in die saure Richtung verschieben.
Auf stark kalkhaltigem Boden ist es oft realistischer, säureliebende Pflanzen in Gefäßen mit passendem Substrat zu kultivieren.
Erde im Topf ist ein eigenes Thema
Alles bisher Gesagte betrifft Gartenboden.
Ein Topf ist ein geschlossenes System mit eigenen Regeln. Das Substrat muss Wasser schnell genug abführen, damit die Wurzeln nicht faulen, aber gleichzeitig genug davon speichern, um bis zur nächsten Wassergabe zu reichen. Nach ein oder zwei Jahren regelmäßigen Gießens verliert es außerdem zunehmend seine ursprüngliche Struktur.
Gartenerde verdichtet sich im Topf schnell und bleibt leicht zu nass. Genau deshalb gibt es spezielle Pflanzsubstrate.
Wenn Sie Pflanzen in Gefäßen halten, finden Sie in unserem Artikel zur Wahl des richtigen Substrats passende Mischungen für verschiedene Pflanzengruppen. Im Artikel darüber, wann und wie Zimmerpflanzen umgetopft werden sollten, finden Sie außerdem die Anzeichen dafür, dass eine Pflanze ihren Topf bereits ausgefüllt hat.
Alles zusammenbringen
Den Glastest müssen Sie nur einmal machen.
Die Bodenart verändert sich nicht grundlegend, solange Sie den Boden nicht stark bearbeiten oder verbessern. Das Ergebnis bleibt Ihnen deshalb lange erhalten.
Den pH-Wert sollten Sie alle paar Jahre prüfen und nach größeren Bodenverbesserungen erneut messen.
Schreiben Sie die Ergebnisse irgendwo auf, wo Sie sie wiederfinden. Wenn Sie wissen, dass Sie zum Beispiel sandigen Lehmboden mit pH 6,5 haben, werden viele Pflanzentscheidungen sehr viel einfacher. Gleichzeitig lassen sich Probleme erklären, die sonst rätselhaft wirken.
Ein Bodentest sagt Ihnen allerdings nur, welche Bedingungen im Beet herrschen. Er sagt Ihnen nicht automatisch, was mit einer bestimmten Pflanze nicht stimmt.
Die Symptome überschneiden sich. Eisenmangel durch alkalischen Boden, Stickstoffmangel, Überwässerung in schwerem Tonboden und beginnende Wurzelfäule können alle zu blassen oder gelben Blättern führen.
Wenn Sie den Boden bereits getestet haben und eine Pflanze trotzdem schlecht aussieht, fotografieren Sie sie in Gardenix. Die App nennt die wahrscheinlichste Ursache mit einer Einschätzung der Sicherheit, vergibt einen Gesundheitswert von 0 bis 100 und erstellt einen Schritt-für-Schritt-Plan. Das ist schneller, als eine Bodenmaßnahme nach der anderen auszuprobieren und abzuwarten, was hilft.